Ursprünglicher Standort
Der Zaun in München, oft auch „Weiße-Rose-Zaun“ genannt, stand an der Orleansstraße nahe des Münchner Ostbahnhofs. Dort entstand am 23. Juli 1942 eines der bekanntesten Fotoserie der Weißen Rose. Sophie Scholl verabschiedete dort ihren Bruder Hans Scholl sowie Alexander Schmorell, Hubert Furtwängler und Willi Graf, bevor diese als Sanitätssoldaten an die Ostfront geschickt wurden. Dieses Treffen gilt als einer der letzten unbeschwerten gemeinsamen Momente der Gruppe. Viele der abgebildeten sahen sich später tatsächlich nicht mehr frei wieder. Hans und Sophie Scholl, Alexander Schmorell und Willi Graf wurden 1943 vom NS-Regime hingerichtet.


Der Planungsprozess
Zu Beginn des Projekts haben wir im Plenum gemeinsam Ideen für die Gestaltung des Zauns gesammelt. Anschließend hat jede und jeder von uns ein eigenes Portfolio erstellt, in dem die eigenen Ideen, Entwürfe und Gestaltungsmittel festgehalten wurden. Nachdem alle Portfolios abgegeben waren, haben wir uns die verschiedenen Vorschläge gemeinsam angesehen. Dabei sind auch einige offene Fragen entstanden, die wir anschließend diskutiert und so gut wie möglich beantwortet haben. So konnten wir die Ideen weiterentwickeln und verschiedene Sichtweisen einbeziehen. Ein wichtiger Teil des Planungsprozesses waren außerdem Gespräche mit externen Fachleuten. Wir trafen uns mit Vertretern der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, die uns neue Perspektiven auf das Projekt eröffneten. Zusätzlich haben wir mit einem Architekten und einem Landschaftsplaner gesprochen. Durch ihre Erfahrungen und Anregungen bekamen wir weitere Ideen für die Gestaltung des Zauns. Bis jetzt hat uns der Planungsprozess gezeigt, wie wichtig der Austausch mit anderen ist und wie viele unterschiedliche Ideen in ein gemeinsames Projekt einfließen können.
Die Weiße Rose
Die Weiße Rose war während der NS-Zeit eine studentische Widerstandsgruppe gegen den Nationalsozialismus [2] und war vor allem zwischen 1942/43 in München [7] aktiv. Zu den zentralen Mitgliedern gehörten Hans Scholl (1918–1943) und seine Schwester Sophie Scholl (1921–1943), Christoph Probst (1919–1943) und sein Kindheitsfreund [2] Alexander Schmorell (1917–1943), unser Namensgeber Willi Graf (1918–1943) und der Professor Kurt Huber (1893–1943) [4].
Alexander Schmorell
Alexander Schmorell stammte aus einer deutsch-russischen Familie und distanzierte sich ab 1937 immer deutlicher von der NS-Ideologie. Er gehörte zu den Gründern der Weißen Rose und schrieb gemeinsam mit Hans Scholl die allerersten Widerstandstexte. Er wurde im Februar 1943 festgenommen und im Sommer desselben Jahres in München hingerichtet. [8]


Christoph Probst
Christoph Probst studierte ebenfalls Medizin und kam durch seine enge Freundschaft mit Schmorell zur Widerstandsgruppe. Er war fest in die Arbeit eingebunden und entwarf unter anderem den Text für das fünfte Flugblatt. Nach seiner Festnahme im Februar 1943 wurde er in einem Scheinprozess zum Tode verurteilt und hinterließ eine Ehefrau sowie drei kleine Kinder. [8]
Hans Scholl
Hans Scholl wuchs in Ulm auf und begann 1939 sein Medizinstudium in München, wo er schnell Gleichgesinnte fand. Aus tiefem Protest gegen den Nationalsozialismus verfasste er ab 1942 zusammen mit Alexander Schmorell die ersten Flugblätter. Am 18. Februar 1943 flog die Aktion jedoch auf, was zu seiner Verhaftung und der anschließenden Hinrichtung führte [8].
Kurt Huber
Kurt Huber war Professor für Musik und Philosophie an der Münchner Universität und fiel den Studierenden durch seine regimekritischen Vorlesungen auf. Im Jahr 1942 stieß er zur Weißen Rose und verfasste maßgeblich die letzten beiden Flugblätter der Gruppe. Er wurde Ende Februar 1943 verhaftet, im April zum Tode verurteilt und im Juli hingerichtet.[8]


Sophie Scholl
Sophie Scholl kam 1942 für ihr Biologie- und Philosophiestudium nach München und schloss sich dort der Gruppe um ihren Bruder Hans an. Sie half aktiv bei der Produktion und der gefährlichen Verteilung der regimekritischen Flugblätter. Im Februar 1943 wurde sie bei einer Flugblattaktion an der Universität erwischt, von der Gestapo verhaftet und kurz darauf zum Tode verurteilt.[8]
Willi Graf
Willi Graf begann 1937 sein Medizinstudium in Bonn und kam nach seinem Kriegsdienst als Sanitätssoldat 1942 nach München, wo er sich der Weißen Rose anschloss. Er beteiligte sich intensiv an den riskanten Flugblattaktionen und nutzte seine alten Kontakte, um den Widerstand in anderen deutschen Städten zu vernetzen. Im Februar 1943 wurde er von der Gestapo verhaftet, weigerte sich monatelang, Namen zu verraten, und wurde schließlich im Oktober 1943 hingerichtet.[8]

Weiteres kann man im Foyer des Willi-Graf-Gymnasiums nachlesen.

Die Flugblätter der Weißen Rose
Um Widerstand zu leisten, verfassten und verteilten die Mitglieder NS-feindliche Flugblätter. Darin kritisierten sie die Diktatur und machten auf den Terror des NS-Regimes aufmerksam [2; 7].
In den Flugblättern wurde vor allem Kritik am Krieg, an der NS-Ideologie und an der Propaganda ausgeübt und zum passiven Widerstand sowie zur Zivilcourage aufgerufen. Sie sollten als Appell an die moralische Verantwortung jedes Einzelnen dienen und wurden in München verteilt, in Postfächern gesteckt und an Freunde weitergegeben [2; 4; 7].
Darüber hinaus wiesen die Flugblätter auf die NS-Verbrechen, u. a. Massenmorde an Juden, hin und riefen zum moralischen Widerstand und zur Verantwortung der Bevölkerung auf [7]. Dennoch war ihr Widerstand gewaltfrei, und sie handelten nach humanistischen Motiven sowie ihren moralischen Vorstellungen [7].
Erfahrungen an der Front
Zudem fühlten sich viele Mitglieder der Weißen Rose für das Leben anderer Menschen verantwortlich, insbesondere aufgrund der Erfahrungen und der brutalen Realität des Krieges, die z.B. Hans Scholl, Alexander Schmorell und Willi Graf an der Ostfront gesammelt hatten [7].
Ein entscheidender Wendepunkt für die Gruppe war die Schlacht um Stalingrad, die im August 1942 begann und zur Katastrophe für die Wehrmacht wurde. Sophie Scholl erhielt durch die Briefe ihres Freundes, des Hauptmanns Fritz Hartnagel, ungeschönte Berichte direkt von der Front. Während die Propaganda von Helden sprach, erfuhr sie durch ihn von der Verzweiflung der Soldaten und dem grausamen Vernichtungskrieg, einschließlich der Massenmorde an Juden [1].
Diese Berichte radikalisierten den Widerstand der Weißen Rose. Besonders das sechste Flugblatt nahm direkten Bezug auf Stalingrad und den sinnlosen Tod tausender Menschen. Für die Gruppe war die Schlacht der endgültige Beweis für den moralischen Verfall und den drohenden Untergang Deutschlands, weshalb sie ihre Aktionen in München mutiger und riskanter verstärkten [1].
Zusätzlich war unser Namensgeber, Willi Graf, stark religiös und moralisch geprägt. Er beteiligte sich seit Dezember 1942 an der Diskussion des fünften Flugblattes der Weißen Rose und versuchte auf Reisen, z. B. nach Köln und Bonn, weitere Unterstützung zu finden [2].
Sophie Scholls Rolle der Frau
Hans Scholls Schwester, Sophie Scholl nahm innerhalb der Gruppe eine Schlüsselrolle ein. Sie war nicht nur an der Verteilung der Flugblätter beteiligt, sondern zeigte nach ihrer Verhaftung am 18. Februar 1943 außergewöhnliche Standhaftigkeit. In den dreitägigen Verhören durch die Gestapo versuchte sie konsequent, die alleinige Verantwortung auf sich zu nehmen, um die übrigen Mitglieder der Weißen Rose zu schützen. Ihr Mut, für ihre Überzeugungen bis zur Hinrichtung einzustehen, macht sie heute zum Vorbild für Zivilcourage [5].
Damalige Folgen und heutige Auswirkungen
Die Folgen des Widerstandes waren unter anderem Verhaftungen und Hinrichtungen für die Weiße Rose. Ihre Flugblätter gelangten teilweise ins Ausland, weshalb sich ihre Bemühungen trotz allem gelohnt haben. Am 4. November 1945 fand im Münchner Schauspielhaus eine Gedenkfeier an die Mitglieder der Weißen Rose statt, zu der der Kultusminister Franz Fendt, Oberbürgermeister Karl Scharnagl und der Religionsphilosoph Romano Guardini die „todesmutigen jungen Menschen“ für ihren Versuch, „das deutsche Volk aus seiner Lethargie zu wecken“, ehrten [7].
Heutzutage steht die Weiße Rose als Symbol für Zivilcourage, Gewissens- und Meinungsfreiheit sowie den Widerstand des Einzelnen [7]. Über 200 Schulen in Deutschland tragen die Namen der Mitglieder der Weißen Rose [7].
Der Nationalsozialismus errichtete damals für die gesamte Bevölkerung reale und mentale Barrieren: Kritik, abweichende Weltbilder und Meinungen wurden unterdrückt und verfolgt, sodass viele Menschen zum Schweigen gebracht wurden.
Die Weiße Rose war sich der Konsequenzen ihres Handelns bewusst, handelte dennoch und überschritt somit die Grenzen des Regimes, weshalb sie Mut und Courage widerspiegelt.
Sie ist physisch am Terror des NS-Regimes gescheitert, aber ihre Ideen haben gesiegt. Sie haben den Beweis erbracht, dass ein Einzelner die moralische Verantwortung hat, die Grenzen eines Unrechtssystems zu überschreiten, auch wenn der Preis das eigene Leben ist.:
„Was wir sagten und schrieben, denken ja so viele, nur wagen sie nicht, es auszusprechen.“
~Sophie Scholl~[6]
Literaturverzeichnis
KI-Nutzung: für Rechtschreib- und Grammatikfehler
Alle Bilder stammen aus dem Foyer des Willi-Graf-Gymnasium