Vor dem Willi-Graf-Gymnasium am Ostpreußendamm befindet sich ein Gedenkstein der ostpreußischen Landsmannschaft, der durch drei eingravierte Wappen an die Geschichte Ostpreußens und an das Schicksal der Menschen erinnert, die infolge des Zweiten Weltkriegs ihre Heimat verloren. Der Standort des Denkmals besitzt dabei eine besondere Symbolkraft: Sowohl der Name der Straße – Ostpreußendamm – als auch der Gedenkstein selbst verweisen auf eine historische Region, deren kulturelles Erbe bis heute nachwirkt.
Die drei Wappen auf dem Stein stehen in engem Zusammenhang mit der historischen Entwicklung Ostpreußens und spiegeln unterschiedliche Epochen seiner Geschichte wider. Sie zeigen das Wappen des Deutschen Ritterordens, das Wappen Ostpreußens sowie das Wappen der Landsmannschaft Ostpreußen. Gemeinsam stehen für die Geschichte einer Region, ihrer Entstehung, ihrer kulturellen Identität und ihres Fortbestehens in der Erinnerungskultur nach dem Verlust der Heimat.

Das Wappen des Deutschen Ritterordens erinnert an die Ursprünge Ostpreußens im Mittelalter. Der Deutsche Orden begann im 13. Jahrhundert mit der Eroberung und Christianisierung der baltischen Gebiete entlang der Ostsee. In dieser Zeit entstanden zahlreiche Städte, Burgen und Handelszentren, die das Gebiet nachhaltig prägten. Der Orden legte damit die Grundlagen für die spätere Entwicklung Preußens. Das schwarze Kreuz des Ritterordens steht bis heute symbolisch für diesen historischen Ursprung und für die mittelalterliche Geschichte der Region.

Das Wappen Ostpreußens verweist auf die spätere politische und kulturelle Entwicklung der Provinz. Ostpreußen wurde zu einem bedeutenden Teil des Königreichs Preußen und später des Deutschen Reiches. Die Region war über Jahrhunderte hinweg geprägt von kultureller Vielfalt, Wissenschaft, Landwirtschaft und Handel. Besonders Königsberg entwickelte sich zu einem wichtigen geistigen Zentrum Europas. Der Philosoph Immanuel Kant lebte und wirkte dort und machte die Stadt weit über die Grenzen Ostpreußens hinaus bekannt. Das Wappen Ostpreußens symbolisiert daher nicht nur eine geografische Region, sondern auch ihre kulturelle und geschichtliche Bedeutung innerhalb Europas.
Das dritte Wappen, das Wappen der Landsmannschaft Ostpreußen, steht schließlich für die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Mit dem Ende des Krieges 1945 wurde Ostpreußen aufgeteilt; die Region hörte als deutsche Provinz auf zu existieren. Millionen Menschen mussten fliehen oder wurden vertrieben. Familien verloren ihre Heimat, ihre Häuser und oftmals auch Angehörige. Für viele bedeutete dies einen vollständigen Neuanfang in einer fremden Umgebung.

Die Landsmannschaft Ostpreußen entstand nach dem Krieg als Zusammenschluss ehemaliger Ostpreußen und ihrer Nachkommen. Ihr Ziel war es, die Erinnerung an die verlorene Heimat, an Traditionen, Sprache und Kultur lebendig zu halten. Das Wappen der Landsmannschaft symbolisiert daher das Fortbestehen der ostpreußischen Identität trotz Vertreibung und Verlust. Es steht für Erinnerung, Zusammenhalt und das Bewusstsein, historische Erfahrungen an kommende Generationen weiterzugeben.
Gerade vor dem Willi-Graf-Gymnasium erhält der Gedenkstein eine besondere Bedeutung. Dadurch, dass der Stein bereits seit geraumer Zeit vor der Schule steht und an die aus den ostpreußischen Gebieten geflüchteten Deutschen erinnert, reicht seine Geschichte deutlich weiter zurück als die des heutigen Denkmals. Zur damaligen Zeit (1933-1945) hieß die Schule nämlich „Tannenberg“ Oberschule. Die Schlacht von Tannenberg war ein Symbolsieg im Krieg. Daher ist der Stein ein Symbol für den Preußischen Sieg.
Der Gedenkstein erinnert nicht nur an eine verlorene Heimat, sondern mahnt zugleich, welche Folgen Krieg, Gewalt und politische Ideologien für Menschen und Gesellschaften haben können. Durch die drei Wappen wird die gesamte historische Entwicklung Ostpreußens sichtbar – von den Ursprüngen im Deutschen Orden über die kulturelle Blütezeit Ostpreußens bis hin zur Erinnerungskultur der Vertriebenen nach 1945.So verbindet das Gedenkstein Geschichte, Erinnerung und Bildung an einem Ort, an dem junge Menschen täglich lernen und sich mit Vergangenheit und Zukunft auseinandersetzen.