14.12.1942

Stell dir vor, du bist ein Schüler 1938 auf unserer Schule. Woran denkst du?

Schuluniformen, reine Jungenschule, strikter Schulalltag, Kreidetafeln, Spaß mit deinen Freunden, Sport auf dem Schulhof, Gespräche mit deinem Sitznachbarn?

Von all dem war Hans Neustätter zuerst auch ein Teil. Bis November 1938…

Doch wer ist Hans Neustätter?  Er lebte in der Vionvillestraße zusammen mit seiner Mutter Anna, seinem Vater Max und seinem jüngeren Bruder Fritz. Sein Vater war Oberingenieur in den Elektrowerken Berlin-Steglitz und seine Mutter pflegte die Familie. Hans ging auf unsere Schule. Bestimmt musste er auch lernen, genauso wie wir heutzutage. Sicherlich hatte er auch Hobbys, so wie Fußball spielen oder Freunde treffen.

Aber dieses Leben änderte sich für ihn schlagartig. Wie alle jüdischen Schüler und Schülerinnen musste auch er von der Schule gehen. Nach Gesetz durfte er keine „deutsche“ Schule mehr besuchen. Nicht nur sein Bildungsweg wurde vom NS Regime eingeschränkt, sondern sein ganzes Leben. Dies sieht man auch daran, dass er 1939 mit seiner Familie aus der Vionvillestr. 15 in eine sogenannte Judenwohnung nach Berlin-Mitte ziehen musste. Außerdem verlor der Vater 1939 seine Arbeit und starb im Folgejahr. Hans und sein Bruder Fritz wurden zur Zwangsarbeit in der Firma Willi Naumann gezwungen.

14. Dezember 1942.

Hans, Fritz und die Mutter werden nach Auschwitz deportiert und dort vergast.

Stell dir vor, der Stuhl neben dir ist auf einmal leer. Das Fußballteam hat jetzt nur noch zehn Spieler.

Wochen,
sogar Monate vergehen.

Doch der Stuhl bleibt leer.

Ein Artikel der Schule ohne Rassismus AG.

Autorinnen: Laila Kowald, Anastasia Parastatidou, Emma Eickhoff
Mit Hilfe von: Louis und Julian aus der 9A