Didaktisches Konzept des bilingualen Unterrichts

Wir geben hier die Passagen zur didaktischen Konzeption von bilingualem Unterricht aus dem Schulprogramm des Willi-Graf-Gymnasiums wieder:

Bilingualer Sachfachunterricht hat diverse Vorteile zu bieten: So bereitet er auf berufliche Tätigkeiten in einer globalisierten Welt vor und er verbessert die Kommunikationsfähigkeit in einem geeinten Europa. Ein weiterer Aspekt ist, dass er grundsätzlich bereits fächerübergreifend angelegt ist, denn er verbindet - in unserem Fall - die Sachfächer Geografie, Geschichte und Politikwissenschaft mit dem Fremdsprachenfach Spanisch.

Dabei geht es darum, das Sachfachlernen mit dem Sprachlernen optimal zu verknüpfen. Prinzipiell geht es etwa beim Geografieunterricht auf Spanisch in erster Linie um das Lernen im Fach Geografie. Schließlich ist der Geografielehrplan, der auch für die anderen Schüler gilt, zu erfüllen. Es handelt sich also nicht um einen erweiterten Fremdsprachenunterricht. Gleichwohl findet selbstverständlich auch eine stetige Verbesserung der fremden Sprache statt, ein Lernprozess, der eher implizit abläuft. Der Vorteil hier ist, dass die Sprache in echten Kommunikationssituationen angewandt wird, und dass die hier besprochenen Inhalte wesentlich komplexer und weniger vorhersehbar sind als die Alltagssituationen, die im Fremdsprachenunterricht v.a. in der Sekundarstufe I vielfach Thema sind.

Um das Zusammenspiel zwischen dem Sachfachunterricht und dem Fremdsprachenunterricht möglichst effizient zu gestalten, müssen sich die Lehrkräfte beider Fächer gut aufeinander abstimmen. Diese Notwendigkeit wird umgesetzt durch einen Ausschuss für bilingualen Unterricht, in dem alle Lehrkräfte des bilingualen Zuges vertreten sind. In dem vorbereitenden Fremdsprachenunterricht in den Klassen 7 und 8, mit dem hauptsächlich die notwendige sprachliche "Schwellenkompetenz" für den Sachfachunterricht erreicht werden soll, sollen auch Methoden und inhaltliche Themen, die dort später benötigt werden, in vereinfachter Form zum Einsatz kommen.

Bei der Auswahl der Fächer, die bilingual unterrichtet werden sollen, haben wir uns am Willi-Graf-Gymnasium für die Sozialwissenschaften entschieden. Dies liegt zum einen daran, dass hier die allgemeinen Sprachkenntnisse im Verhältnis zu den fachsprachlichen Fertigkeiten von größerer Bedeutung sind und der Mehrwert im impliziten Fremdsprachenlernen dadurch höher ist. Zum anderen lassen sich hier die Gegebenheiten und Standpunkte der zielsprachlichen Länder und Regionen viel besser aufnehmen als in den universellen Naturwissenschaften: Der "Blick der Anderen" ist in den Gesellschaftswissenschaften erheblich vielfältiger und reizvoller als beispielsweise in Mathematik oder Chemie.

Damit der Geografie-, Geschichts- oder Politikunterricht in der spanischen Sprache für die Schülerinnen und Schüler nicht zu einer frustrierenden Erfahrung wird, muss auf die sprachlichen Schwierigkeiten eingegangen werden. Dazu gibt es eine Reihe von Methoden, mit denen diese Schwierigkeiten im Vorfeld entlastet werden, etwa durch vorher oder während des Lesens eingebrachte Vokabelhilfen. Zum anderen werden im bilingualen Unterricht vermehrt bildliche und symbolische Darstellungsformen angewendet. Dadurch wird Wissen auch unabhängig von der Sprache erworben. So können die Schüler später über diese Themen auch in der Muttersprache ohne Schwierigkeiten diskutieren.

Schließlich sei noch ein weiterer Vorteil des bilingualen Sachfachunterrichts genannt: Um in der noch fremden Sprache komplexe Sachverhalte zu verstehen, müssen die Schülerinnen und Schüler einen höheren Aufwand betreiben, um diesen Inhalten eine Bedeutung zu verleihen. Die so erarbeiteten Inhalte sollten dadurch tiefer durchdrungen sowie besser und länger behalten werden.