Stolpersteinverlegung für Familie eines ehemaligen Schülers

Am 9. Oktober 2020 hat das Willi-Graf-Gymnasium vier Stolpersteine in der Vionvillestr. 15 verlegen lassen. Diese vier Stolpersteine erinnern an Hans Neustätter, seinen kleinen Bruder Fritz und die Eltern Anna und Max. Recherchen der evangelischen Religionslehrerin Rahel Gersch in einem alten Schulbuch ergaben, dass Hans Neustätter, ein ehemaliger Schüler der Vorgängerschule Realprogymnasium zu Lankwitz, das Gymnasium am 12. November 1938 verlassen musste – wenige Tage nach der Reichpogromnacht. Durch weitere Nachforschungen wurde deutlich, dass Hans, seine Mutter und sein Bruder 1942 in Auschwitz ermordet worden sind.

Die Schule ohne Rassismus AG hat sich im letzten Schuljahr intensiv mit der Geschichte der Familie Neustätter, aber auch allgemein mit Antisemitismus beschäftigt. Aus dem Wunsch nach einem würdigen Gedenken für Familie Neustätter entstand ein starkes Engagement der Schülerinnen und Schüler, die das Geld für zwei Stolpersteine durch Aktionen wie Kuchenverkauf, Rosenverschickung am Valentinstag oder einen Schokonikolaus-Sendedienst in der Schulgemeinschaft sammelten. Zwei weitere Steine konnte durch die eine Spende der Familie Eickhoff und der evangelischen Johannesgemeinde finanziert werden.

Durch die Corona-Pandemie konnte der Tag der Verlegung nicht durch ein großes Zusammenkommen der Schulgemeinschaft begangen werden. Stattdessen wurde allen Schülerinnen und Schülern das Schicksal der Familie Neustätter in der ersten Unterrichtsstunde des Tages nahegebracht, indem sie einen von Rahel Gersch eingesprochenen Podcast (siehe unten) zum Schicksal der Familie hörten und sich selbst Gedanken zum Thema Rassismus gemacht haben. Sprüche und Stolpersteine gegen Hass entstanden so in jeder Klasse der Mittelstufe, die zu einem Gesamtkunstwerk im Foyer zusammengestellt wurden.

Bei der Verlegung vor Ort waren aus der Schulgemeinschaft  nur aktiv an der Verlegung beteiligte Schülerinnen und Schüler, die Schulleitung und einige Lehrkräfte präsent. Dennoch war die Verlegung gut besucht und viele Menschen nahmen Anteil. Nach einem Posaunenruf durch Linus begrüßte Pfarrerin Ulrike Klehmet die Anwesenden mit einigen eröffnenden Worten. Es folgte eine Rede der Schülerinnen Laila, Emma und Anastasia, die in der Schule ohne Rassismus aktiv sind. Im Laufe dieser Rede verlasen sie einen Artikel, den sie über Hans Neustätter verfasst haben. Michael Rohrmann vom Kirchenkreis Teltow-Zehlendorf verlegte im Anschluss die Steine, begleitet von zwei Flötenstücken von Meike. Schulleiter Herr Steinke hielt nach der Verlegung eine kurze Rede, in der er das Engagement gegen Antisemitismus direkt mit dem Auftrag des Willi-Graf-Gymnasiums verband. Frau Klehmet beendete die Verlegung mit abschließenden Worten und einem Segen.

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